Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ist kein Selbstzweck und kein Selbstläufer. Ob in der IT-Branche oder im Handwerksbetrieb: Entscheidend ist oft weniger die Technologie selbst als vielmehr die Strategie dahinter. KI-Tools übersetzen Texte, recherchieren Daten, liefern kreativen Input und prüfen Inhalte. Doch damit diese Anwendungen im Arbeitsalltag mehr sind als bloße Spielerei, braucht es einen Plan. Erst eine fundierte KI-Strategie macht aus einem Sammelsurium an Tools einen echten Wettbewerbsvorteil.
Kurz erklärt
Der Einsatz von KI kann Arbeitsabläufe effizienter, präziser und sicherer gestalten. Um wirtschaftlich davon zu profitieren, müssen Unternehmen diesen Einsatz jedoch gezielt steuern. Eine gute KI-Strategie definiert Prioritäten, Einsatzgebiete, Verantwortlichkeiten und die langfristigen Ziele des Betriebs.
Warum Unternehmen eine KI-Strategie brauchen
Abhängig von der Branche kann KI in unterschiedlichsten Bereichen unterstützen: von der Daten- und Marktanalyse über die Bildgenerierung bis hin zur direkten Kundenkommunikation. Damit sich der wirtschaftliche Nutzen einstellt, reicht es jedoch nicht aus, wenn Mitarbeitende unkoordiniert verschiedene Tools ausprobieren. Unternehmen müssen den KI-Einsatz strategisch planen und orchestrieren.
Eine KI-Strategie ist der Fahrplan dafür. Sie legt klar strukturiert fest, wie Ressourcen und Verantwortlichkeiten eingesetzt werden, um ein konkretes Unternehmensziel zu erreichen. Dabei steht nicht die Faszination für die Technik im Mittelpunkt, sondern ihr messbarer Nutzen, ihre konkreten Anwendungsfelder und der sichere Umgang mit potenziellen Risiken. So dient die Strategie der Geschäftsführung und dem gesamten Team als verlässliche Orientierungshilfe.
Die wichtigsten Bausteine der KI-Strategie
Der erste Schritt zu einer belastbaren Strategie ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wer den Status quo kennt, kann sinnvolle nächste Schritte planen:
- Wo im Unternehmen wird KI bereits eingesetzt?
- Welche Tools werden für welchen Zweck genutzt?
- An welchen Stellen im aktuellen Prozess gibt es Probleme?
- Wie und wo könnten KI-Anwendungen den Arbeitsalltag spürbar erleichtern?
- Welches Know-how ist im Team bereits vorhanden?
Auf Basis dieser Antworten lassen sich konkrete Ziele definieren. Das kann die Automatisierung von Routineaufgaben sein, eine höhere Produktqualität oder eine effizientere Abwicklung im Kundenservice.
Welche KI-Projekte sich für den Einstieg eignen
KI ist so vielfältig wie das Feld unternehmerischen Handelns breit: Ein Tischler hat andere Bedürfnisse als eine Architektin, ein Steuerberater andere Sicherheitsanforderungen als eine Metzgerin und Programmierer einen anderen Workflow als ein Industriebetrieb. „Die Entwicklung einer passenden KI-Strategie ist sehr branchenspezifisch, sehr individuell“, erklärt Gerhard Laga, stv. Abteilungsleiter Servicemanagement und Informations- und Kommunikationstechnologie der WKÖ. Möglichkeiten ortet er vor allem im Bereich der Informationsdienstleistungen, beispielsweise in Fragen der externen Kommunikation oder dem Erstellen von Social Media Posts. Bei handwerklichen, arbeitsintensiven Tätigkeiten halten sich die Anwendungsmöglichkeiten eher in Grenzen, hier sieht Laga vor allem Potential im Bereich Bürokratie, beispielsweise kann ein Behördenschreiben mithilfe von KI (schneller) aufgesetzt werden.
Die Entwicklung einer passenden KI-Strategie ist sehr branchenspezifisch, sehr individuell
Wie in vielen Bereichen, empfiehlt es sich auch bei KI-Anwendungen einmal klein anzufangen. Einfache Anwendungsfälle sind beispielsweise die automatisierte Übersetzung von Texten, die Zusammenfassung von Inhalten oder kleinere Rechercheaufträge. Auch das Erstellen von Social Media Posts ist mithilfe relativ einfacher Befehle möglich.
Darauf aufbauend lassen sich größere und mitunter komplexere Anwendungen etablieren, etwa im Bereich des Monitorings, dem Erstellen von Forecasts oder dem personalisierten Kundenmanagement. Auch hier gilt: Zunächst sollten Status Quo und Zweckmäßigkeit ermittelt werden und erst dann Ziele definiert werden.
Branchenspezifische Informationen zur Formulierung von KI-Strategien findest du auf der Webseite der WKO. Weitere Leitfäden stellt das Unternehmensservice Portal zur Verfügung. Ein Beispiel für eine detaillierte Implementierung einer KI-Strategie gibt es zudem im „Leitfaden zu Strategie und Wandel für den KI-Einsatz“ des Frauenhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation.
Typische Fehlannahmen
- „Wir brauchen zuerst eine große KI-Strategie“. Die Entwicklung einer ausgereiften, detaillierten KI-Strategie mag in manchen Fällen Sinn machen, allerdings ist das sehr branchenspezifisch. Handwerksbetriebe haben andere Anforderungen als Steuerkanzleien. Am aller wichtigsten ist: Unternehmerinnen und Unternehmer sollten sich über den Einsatz von KI ausführlich Gedanken machen und sich damit auseinandersetzen.
- „KI ist nur ein IT-Thema“. Sowie „das Internet“ längst nicht mehr nur ein „IT-Thema“ ist, durchdringt auch KI sämtliche gesellschaftliche und unternehmerischen Bereiche. Informationsdienstleister müssen sich im Regelfall tiefgehender damit auseinandersetzen, aber auch einer Tischlerin kann KI bei der Steuererklärung helfen.
- „Ohne riesiges Budget bringt KI nichts“. Auch das hängt von der Branche ab. Im Allgemeinen können KI-Tools bei höchst unterschiedlichen Arbeitsschritten unterstützen und sind zudem vielfach gratis. Deren Einsatz kann ein Unternehmen effizienter machen – und so sogar Geld sparen.
Was KMU konkret tun sollten
Verständlicherweise schrecken Unternehmen vor dem Einsatz von KI in ihren Unternehmen manchmal zurück und untersagen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglicherweise sogar den Gebrauch. Das ist einerseits nachvollziehbar, denn bei KI handelt es sich um ein komplexes und dynamisches Feld mit zahlreichen Haftungs- und Sicherheitsrisiken.
Andererseits bergen KI-Tools viel wirtschaftliches Potential und Mitarbeitende werden diese möglicherweise heimlich und ohne Zustimmung der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers einsetzen. Es empfiehlt sich also, den Einsatz von KI proaktiv zu regeln, etwa indem unternehmensinterne Guidelines verabschiedet werden, Mitarbeitende sensibilisiert und geschult werden. Mitarbeitende sind essentieller Teil einer KI-Strategie, ihre Erfahrungen und ihr Umgang mit KI-Systemen ist wichtig für Ausformulierung und Überarbeitung einer Strategie, betont WKÖ-Experte Laga.
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut und auch eine KI-Strategie entsteht nicht über Nacht. Am besten startet man mit kleinen Pilotprojekten und erhebt zunächst, wo der Einsatz von KI überhaupt sinnvoll wäre. Wichtig ist, eine klare Vorstellung davon, was der Einsatz von KI langfristig bezwecken soll. Danach kann man schrittweise skalieren.

Strategie statt Technologie
Zusammenfassend gilt: „KI kann die Arbeit erleichtern, aber sie ist keine eierlegende Wollmilchsau“, so WKÖ-Experte Laga. KI mag Prozesse effizienter, präziser, sicherer oder kreativer machen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Für Unternehmen empfiehlt es sich also, zu überlegen, welche Tools in welchen Arbeitsschritten sinnvoll sein könnten. Eine fundierte KI-Strategie beginnt also nicht bei der Technologie, sondern mit Überlegungen im Hinblick auf sinnvolle Anwendungsbereiche und langfristige Ziele.







