KMU.DIGITAL ist ausgeschöpft: Welche Förderungen es jetzt für Digitalisierung und KI gibt

KMU.DIGITAL ist ausgeschöpft und wird ab 2027 nicht fortgeführt. Förderung für Digitalisierung und KI gibt es trotzdem: über Kammern, Länder, EU und Bund, von der kostenlosen Erstberatung über Beratung und Umsetzung bis zur Weiterbildung.

Beiträge von Roman Gaisböck
28. September 2026
KMU.DIGITAL ist ausgeschöpft: Welche Förderungen es jetzt für Digitalisierung und KI gibt

Wer als kleines oder mittleres Unternehmen in Österreich eine Digitalisierungsberatung plante, landete meist bei KMU.DIGITAL. Das Programm war bundesweit einheitlich und stand gewerblichen Unternehmen und Freien Berufen offen. Mit dem Ende der Förderung fehlt diese zentrale Anlaufstelle. Unternehmen stehen nun vor einem Netz aus Angeboten der Kammern, der Länder, des Bundes und der EU.

Förderung gibt es weiterhin. Du musst aber genauer prüfen, welches Angebot zu deinem Vorhaben und zu deinem Standort passt. Dieser Beitrag zeigt die vier Wege, die jetzt an die Stelle von KMU.DIGITAL treten. Stand der Angaben: Ende September 2026.

Kurz erklärt: Was mit KMU.DIGITAL passiert ist

Das Budget von KMU.DIGITAL 4.0 ist vollständig ausgeschöpft, neue Anträge sind nicht mehr möglich. Laut Förderstelle wird das Programm wegen der Konsolidierung des Bundeshaushalts ab 2027 nicht fortgeführt. Ein Nachfolgeprogramm ist nicht angekündigt (Stand Ende September 2026).

Zum Vergleich: KMU.DIGITAL förderte die Status- und Potenzialanalyse mit 80 Prozent (höchstens 400 Euro je Themenbereich), die Strategieberatung mit 50 Prozent (höchstens 1.000 Euro je Themenbereich), die Beratung insgesamt mit bis zu 3.000 Euro je Unternehmen. Die Umsetzung förderte das Programm mit bis zu 30 Prozent (höchstens 6.000 Euro bei Projekten von 2.000 bis 30.000 Euro). Die Umsetzung setzte eine vorherige KMU.DIGITAL-Beratung voraus.

Wer bereits eine Umsetzungsförderung bewilligt bekommen hat, muss das Projekt laut Förderrichtlinie innerhalb eines Jahres ab Antragstellung umsetzen und bezahlen und spätestens zwei Monate danach abrechnen. Die Richtlinie deckt die Abrechnung bis Ende 2028 ab, ein 2026 beantragtes Projekt kann also 2027 noch fertiggestellt werden. Bewilligte Beratungen müssen binnen zwei Monaten (Status- und Potenzialanalyse) beziehungsweise drei Monaten (Strategieberatung) ab der Reservierungszusage abgerechnet werden. Im Zweifel fragst du nach, bei der aws für die Umsetzungsförderung und bei der Wirtschaftskammer für die Beratungsförderung.

Vier Wege, die jetzt an die Stelle von KMU.DIGITAL treten

Statt eines zentralen Programms fördern Kammern, Länder, Bund und EU vier Stufen eines Vorhabens: Erstberatung, Beratung, Umsetzung und Weiterbildung. Die Angebote unterscheiden sich je nach Bundesland stark. Die folgenden Programme sind Beispiele, einen vollständigen Überblick bietet unsere laufend gepflegte Übersicht der KI-Förderungen.

Kostenlose Erstberatung und Tests

Eine erste Orientierung oder ein geförderter Test klärt vor Projektbeginn, welche Maßnahmen dein Unternehmen tatsächlich braucht:

  • WKO-Initiative „KI Österreich“: für Kammermitglieder kostenfrei, etwa das rund dreistündige KI Business Frühstück, dazu Workshops und Weiterbildungen.
  • Digital.Basis der WKO Oberösterreich: 50 Minuten kostenlose Online-Beratung zu Digitalisierung und KI, laut WKO Oberösterreich mit Terminen bis 10. Dezember 2026.
  • „Test before Invest“ der European Digital Innovation Hubs (etwa AI5innovation): KI-Lösungen vor einer Investition testen, im Wert von typischerweise 30.000 bis 40.000 Euro, zu 100 Prozent von EU-Kommission und FFG gefördert. Gedacht vor allem für produzierende KMU und Midcaps bis 2.999 Beschäftigte. Voraussetzung ist ein freies De-minimis-Budget, also Spielraum unter der EU-Grenze von 300.000 Euro für kleinere Förderungen in drei Jahren.

Beratungsförderung

Für die konkrete Strategieberatung gibt es eigene Förderungen der Länder und Landeskammern. Die Bedingungen unterscheiden sich stark, einige Beispiele:

  • ERFOLG.PLUS 26 in Oberösterreich: 50 Prozent, höchstens 750 Euro, Anwendung von KI ausdrücklich förderfähig. Kein Antrag nötig, Abrechnung bis 15. Dezember 2026.
  • digi Assistent über das TIP-Beratungsfördermodell in Niederösterreich: bis 60 Beratungsstunden, höchstens 3.300 Euro Förderung, Schwerpunkte unter anderem Digitalisierung und KI.
  • KWF Strategie.IMPULS in Kärnten: bis 50 Prozent, höchstens 7.500 Euro, Themen unter anderem Digitalisierung und KI, gültig bis 31. Dezember 2026.
  • Tiroler Beratungsförderung von Land Tirol und WK Tirol: für Digitalisierung bis zu 80 Prozent, nur für Mitglieder der WK Tirol, Antrag ausnahmslos vor Beginn.

Umsetzungsförderung

Auch die eigentliche Umsetzung wird vor allem auf Länderebene unterstützt:

  • Förderung Digitalisierung der Wirtschaftsagentur Wien: 50 Prozent, höchstens 50.000 Euro, Projekte ab 10.000 Euro, für KMU, die seit mindestens einem Jahr in Wien tätig sind. Nächster Stichtag 31. Dezember 2026.
  • digi4Wirtschaft in Niederösterreich: ab 1. Oktober 2026 wieder offen, im Umsetzungsmodul bis 20 Prozent Zuschuss, höchstens 25.000 Euro, förderbare Kosten ab 5.000 Euro, für Betriebe, die seit mindestens zwei Jahren in Niederösterreich tätig sind, ein Vorhaben je Unternehmen. Anträge bis 31. Dezember 2026 oder bis das Budget ausgeschöpft ist, Antrag vor Projektbeginn.
  • KWF Umsetzung.KI in Kärnten: 30 Prozent, höchstens 10.000 Euro, Projekte ab 10.000 Euro, Mitgliedschaft bei der WK Kärnten oder der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten nötig, Anträge bis 31. Dezember 2026, solange Budget vorhanden ist.
  • Tiroler Digitalisierungsförderung: 30 Prozent für Kleinstunternehmen, 20 Prozent für Kleinst- und Kleinunternehmen, 10 Prozent für Unternehmen jeder Größe ab 100.000 Euro Projektkosten. Chatbots, Marketing, Webseiten und Webshops sind ausgeschlossen.
  • SFG Ideen!Reich in der Steiermark: nur für neue digitale Produkte oder Dienstleistungen, nicht für Standard-Digitalisierung. Variante XL bis 50 Prozent, höchstens 75.000 Euro, nächster Einreichtermin 3. Dezember 2026.

Die KI-Programme der aws, der Förderbank des Bundes, sind derzeit alle geschlossen. Eine österreichweit einheitliche Umsetzungsförderung gibt es aktuell nicht. Im Burgenland und in Salzburg ist derzeit keine eigene Digitalisierungsförderung für die Umsetzung offen. In Oberösterreich nimmt DIGITAL.PLUS 26 nur noch bis 2. November 2026 Anträge an, solange Budget vorhanden ist.

Weiterbildung

Nach der Umsetzung müssen Mitarbeiter lernen, mit den neuen Werkzeugen zu arbeiten. Dafür gibt es eigene Förderungen:

  • FFG Skills Schecks: bis zu 50 Prozent der Kurskosten, höchstens 5.000 Euro je Person und höchstens fünf Personen je Unternehmen. Der Antrag muss vor Kursbeginn gestellt werden. Einreichung bis 15. Dezember 2026, bei früherer Ausschöpfung schließt die FFG vorher.
  • Ergänzend helfen Landesprogramme wie Innovative Skills für KMU in Oberösterreich (50 Prozent, bis 5.000 Euro je Person) oder die KI-Qualifizierungsförderung der StAF in der Steiermark (bis 80 Prozent, bis 3.000 Euro).

Was bei den neuen Programmen anders ist

Wer KMU.DIGITAL kennt, muss bei der Planung neuer Projekte umdenken:

  • Kammermitgliedschaft: Viele Angebote setzen sie voraus, etwa KWF Umsetzung.KI oder die Tiroler Beratungsförderung. KMU.DIGITAL stand auch Freien Berufen offen.
  • Höhere Mindestkosten: 10.000 Euro bei der Wirtschaftsagentur Wien und bei KWF Umsetzung.KI, bei KMU.DIGITAL waren es 2.000 Euro.
  • Ausgeschlossene Themen: Die Tiroler Digitalisierungsförderung fördert keine Chatbots, Webseiten, Webshops und kein Marketing. In Oberösterreich ist digitales Marketing bei DIGITAL.PLUS 26 nicht mehr förderbar.
  • Antrag vor Projektbeginn: Wer mit der Umsetzung startet, bevor der Antrag eingereicht ist, bekommt meist keine Förderung mehr.
  • Budgetvorbehalt: Fast alle Programme laufen nur, solange Geld im Topf ist. Ist er leer, wird die Einreichung geschlossen, auch wenn die offizielle Frist noch läuft.
  • De-minimis-Grenze: Viele dieser Förderungen zählen zur EU-Grenze von 300.000 Euro in drei Jahren. Bei diesen Anträgen gibst du an, welche De-minimis-Förderungen du bereits erhalten hast.

Rechenbeispiel: Was ein Umsetzungsprojekt jetzt bringt

Ein Projekt mit 20.000 Euro förderbaren Kosten zeigt, wie stark der Standort mitentscheidet (jeweils mit dem höchstmöglichen Fördersatz gerechnet):

  • Unter KMU.DIGITAL hätte die Förderung 30 Prozent betragen, also 6.000 Euro.
  • In Wien fördert die Wirtschaftsagentur mit 50 Prozent, das ergibt 10.000 Euro. Voraussetzung: mindestens ein Jahr in Wien tätig, Projekt ab 10.000 Euro, Einreichung bis zum Stichtag 31. Dezember 2026.
  • In Kärnten liegt der Fördersatz bei KWF Umsetzung.KI ebenfalls bei 30 Prozent, das ergibt 6.000 Euro. Der Deckel von 10.000 Euro greift erst bei größeren Projekten.
  • In Niederösterreich bringt digi4Wirtschaft mit 20 Prozent 4.000 Euro, also weniger als früher KMU.DIGITAL.

Die neuen Programme können im Einzelfall mehr bringen als das alte, aber auch weniger. Die regionalen Bedingungen entscheiden.

Beispiel: Ein Installateurbetrieb in Kärnten mit zwölf Beschäftigten will eine KI-gestützte Einsatzplanung einführen. Zum Einstieg besucht er ein kostenloses KI Business Frühstück von KI Österreich. Die Strategieberatung um 4.800 Euro fördert KWF Strategie.IMPULS mit bis zu 50 Prozent, also bis zu 2.400 Euro. Die Umsetzung um 28.000 Euro fördert KWF Umsetzung.KI mit bis zu 30 Prozent, also bis zu 8.400 Euro. Zwei Mitarbeiter besuchen einen KI-Kurs um je 2.400 Euro, der FFG Skills Scheck übernimmt je 1.200 Euro. Ob beide KWF-Förderungen für dasselbe Vorhaben kombinierbar sind, klärt der Betrieb vorab beim KWF. Wie du ein solches Vorhaben sauber aufsetzt, zeigt In fünf Schritten zum belastbaren KI-Pilotprojekt.

Infografik: Balkendiagramm zum Zuschuss für ein Digitalisierungsprojekt um 20.000 Euro. Wirtschaftsagentur Wien 10.000 Euro, KWF Umsetzung.KI in Kärnten 6.000 Euro wie früher KMU.DIGITAL, digi4Wirtschaft in Niederösterreich 4.000 Euro.

Fazit: Kein Nachfolger, aber genug Alternativen

KMU.DIGITAL hinterlässt eine Lücke. Statt eines zentralen Programms gibt es nun ein Mosaik aus Angeboten der Kammern, der Länder, des Bundes und der EU.

Teile dein Vorhaben in vier Stufen: Erstberatung, Beratung, Umsetzung und Weiterbildung. In vielen Bundesländern findest du für jede Stufe ein Angebot. Lücken gibt es derzeit im Burgenland und in Salzburg, in Oberösterreich ab dem Antragsschluss von DIGITAL.PLUS 26 am 2. November 2026. Bei fast allen Programmen muss der Antrag vor Projektbeginn gestellt werden. Eine Ausnahme ist ERFOLG.PLUS 26 in Oberösterreich, dort genügt die Abrechnung. Wie die Förderlandschaft insgesamt aufgebaut ist, erklärt unser Beitrag KI-Förderungen in Österreich: So findest du den passenden Fördertopf.

Aktuelle Beträge, Fristen und Budgetstände listet unsere Übersicht der KI-Förderungen auf.

Cheat-Sheet Förderung nach KMU.DIGITAL: Umsetzungsförderung in Wien, Kärnten und Niederösterreich im Vergleich, dazu Erstberatung, Beratungsförderung, Weiterbildung und was bei den neuen Programmen anders ist.

Zum Mitnehmen: die Förderprogramme nach KMU.DIGITAL für Erstberatung, Beratung, Umsetzung und Weiterbildung mit Sätzen, Höchstbeträgen und Fristen, dazu das Rechenbeispiel für ein 20.000-Euro-Projekt und die Regeln vor jedem Antrag. Als PDF herunterladen oder als Bild speichern.

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Über den Autor

Beitrag von Roman Gaisböck

Roman Gaisböck

Roman Gaisböck arbeitet seit über 20 Jahren an der Schnittstelle von Digitalisierung, Medien und Unternehmenspraxis. Als Chefredakteur des KI Kompass übersetzt er Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz in verständliche, praxisnahe Entscheidungsgrundlagen für Unternehmen. Sein Fokus liegt auf Künstlicher Intelligenz, Automatisierung und digitalen Geschäftsmodellen.

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