
Vic.ai
Kreditorenbuchhaltung ohne Tipparbeit ist das Versprechen: Vic.ai liest Eingangsrechnungen ein, kontiert sie anhand früherer Buchungen, gleicht sie mit Bestellungen ab und schiebt den fertigen Buchungssatz in das ERP-System. Was nicht passt, geht als Ausnahme an die Freigabe. Die Vic.ai Inc. sitzt in den USA und zielt auf Finanzabteilungen mit hohem Rechnungsaufkommen, etwa in Logistik, Bau, Fertigung und Handel. Oberfläche und Betreuung laufen auf Englisch. Einen Listenpreis nennt der Anbieter nicht, der Einstieg führt über eine Vorführung.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Erkennt Rechnungen ohne je Lieferant eingerichtete Vorlage
- Kontierungsvorschläge lernen aus jeder Korrektur der Buchhaltung
- Zahlung, Firmenkarten und Auswertung sitzen auf derselben Plattform
- Prüfberichte nach SOC 1 und SOC 2 Type II, Ablage in der Amazon-Region des Kunden (Anbieterangabe, Abruf 19.09.2026)
- Fertige Verbinder zu vielen ERP-Systemen, dazu eine offene Schnittstelle
Nachteile
- Keine öffentlichen Preise, der Einstieg führt über Vorführung und Angebot
- Oberfläche, Hilfen und Betreuung nur auf Englisch
- Keine fertige Anbindung an DATEV oder BMD
- Die Datenschutzerklärung nennt weltweite Verarbeitung und weder Standardvertragsklauseln noch einen Auftragsverarbeitungsvertrag
- Globale Modelle lernen aus abgeleiteten Rechnungskopfdaten mehrerer Kunden (Anbieterangabe)
- Rechnet sich erst bei hohem Rechnungsaufkommen
Funktionen
- Erkennung ohne Lieferantenvorlage: Kopf- und Positionsdaten liest das Modell aus jedem Rechnungslayout, ohne dass je Lieferant eine Vorlage eingerichtet wird.
- Kontierung aus der Historie: Sachkonto und Kostenstelle leitet das System aus früheren Buchungen ab; jede Korrektur der Buchhaltung geht in das kundeneigene Modell zurück.
- Zwei- und dreiseitiger Bestellabgleich: Rechnung, Bestellung und Wareneingang prüft die Software auf Positionsebene und meldet Abweichungen bei Preis oder Menge.
- Freigabe nach Regeln: Rechnungen wandern anhand von Betrag, Lieferant und Kostenstelle an die zuständige Person, die im Browser oder in der Handy-App für iOS und Android zeichnet.
- VicPay: Nach der Freigabe stößt die Plattform die Zahlung an den Lieferanten an und führt dafür ein eigenes Lieferantenportal.
- VicCard: Firmenkarten hängen am selben System, Kartenumsätze landen direkt bei den zugehörigen Belegen.
- VicAnalytics: Durchlaufzeiten, Trefferquote der Kontierung und Ausgabenmuster je Lieferant stehen als laufende Auswertung bereit.
- Offene Schnittstelle: Fertige Verbinder gibt es für Sage Intacct, Oracle NetSuite und Microsoft Dynamics; DATEV und BMD stehen nicht in der Liste.
Setup
Sprache
Datenschutz
Unsere Bewertung
Produktivität
Die Erfassung verschwindet fast vollständig: Das Modell liest Kopf- und Positionsdaten ohne eingerichtete Vorlage, kontiert aus der Historie und übergibt den Buchungssatz an das ERP-System. Jede Korrektur der Buchhaltung landet im kundeneigenen Modell, die Trefferquote steigt also im Betrieb. Seit VicPay dazugehört, endet der Ablauf nicht mehr an der Freigabe, sondern bei der ausgeführten Zahlung, und VicCard zieht Kartenumsätze in dieselbe Akte. Abzug bleibt für den Projektaufwand, den die ERP-Anbindung vor dem ersten Nutzen verlangt.
Benutzerfreundlichkeit
Nach der Einrichtung ist der Alltag schlank: Ausnahmen stehen in einer Liste, Freigaben laufen im Browser, mehr braucht die Buchhaltung selten anzufassen. Davor liegt allerdings ein Projekt. ERP-Anbindung, Regeln für Freigaben und die erste Lernphase des Modells binden Zeit im Finanzbereich und in der IT. Dazu kommt die Sprache: Oberfläche und Hilfen gibt es nur auf Englisch, was bei österreichischen Fachbegriffen der Buchhaltung Reibung erzeugt.
Kundensupport
Die Betreuung wirkt professionell aufgestellt, zielt aber auf englischsprachige Großkunden in Nordamerika. Ein öffentliches Hilfecenter fanden wir am 19.09.2026 nicht, weder verlinkt noch unter der naheliegenden Adresse, und deutschsprachige Ansprechpersonen nennt der Anbieter nirgends. Dokumentiert ist immerhin ein Vorgehen bei Sicherheitsvorfällen mit Bearbeitung kritischer Fälle binnen vier Stunden, dazu jährliche Prüfungen durch Dritte. Für einen Betrieb in Österreich bleiben Zeitverschiebung und Sprache das Risiko.
Einsatzbereiche
Rechnungseingang: Belege kommen per E-Mail oder direktem Hochladen an, VicInbox sammelt sie an einer Stelle. Die Erkennung arbeitet ohne hinterlegte Vorlage je Lieferant und liest Kopf- wie Positionsdaten. Lieferanten müssen ihr Format nicht umstellen.
Kontierung: Aus früheren Buchungen leitet das Modell Sachkonto und Kostenstelle ab und legt den fertigen Buchungssatz vor. Korrigiert die Buchhaltung einen Vorschlag, fließt die Korrektur in das kundeneigene Modell zurück. Der Anbieter nennt 99 Prozent Genauigkeit ohne vorherige Einrichtung.
Bestellabgleich: Rechnungen laufen gegen Bestellung und Wareneingang, zwei- oder dreiseitig. Abweichungen bei Preis oder Menge meldet das System auf Positionsebene. Das trifft vor allem Betriebe mit vielen Teillieferungen.
Freigabe und Zahlung: Regeln steuern, wer welchen Betrag freigibt, die Beteiligten zeichnen im Browser. VicPay wickelt danach die Zahlung ab, VicCard deckt Firmenkarten und Ausgaben. Der Bruch zwischen Buchhaltung und Bank entfällt damit.
Auswertung: VicAnalytics zeigt Durchlaufzeiten, Trefferquote der Kontierung und Ausgabenmuster je Lieferant. Wer den Anteil der berührungsfrei verarbeiteten Rechnungen steuern will, sieht hier, wo er hängen bleibt. Der Anbieter gibt 85 Prozent nach sechs Monaten an.
Screenshots





Preis
Eine Preisliste gibt es nicht, und das ist hier keine Nebensache. Vic.ai nennt auf den eigenen Seiten weder Tarifstufe noch Betrag; wer wissen will, was das Jahr kostet, bucht eine Vorführung und wartet auf ein Angebot (Anfrageseite von Vic.ai, Abruf 19.09.2026). Der Produktzuschnitt zeigt immerhin, woran das Angebot hängt.
- Rechnungsaufkommen: die Zahl der Eingangsrechnungen im Jahr, die Hauptachse der Kalkulation.
- Umfang der Module: Rechnungsverarbeitung allein oder zusätzlich Zahlungsabwicklung, Firmenkarten und Auswertung.
- Anbindung: ein fertiger Verbinder zu Sage Intacct, Oracle NetSuite oder Microsoft Dynamics kostet weniger Projektzeit als eine eigene Anbindung über die Schnittstelle.
Einen Gratiszugang oder eine Testphase führt der Anbieter nicht. Vic.ai rechnet selbst mit einer Amortisation nach sieben Monaten, eine Zahl aus dem eigenen Marketing ohne offengelegte Kalkulation (Anbieterangabe, Abruf 19.09.2026). Für einen Betrieb mit wenigen hundert Rechnungen im Jahr lohnt das Gespräch kaum.
Unser Fazit
Eine Preisliste veröffentlicht Vic.ai nirgends, und das ist bei diesem Werkzeug kein Randthema. Ohne Vorführung und Angebot erfährt niemand, was ein Jahr kostet. Einen Gratiszugang oder eine Testphase bietet der Anbieter ebenfalls nicht. Fachlich sitzt das Produkt weit vorn: Eingangsrechnungen erkennt es ohne Lieferantenvorlage, Kontierungsvorschläge lernen aus jeder Korrektur der Buchhaltung, und mit VicPay läuft die Zahlung nach der Freigabe auf derselben Plattform. Für Betriebe im deutschsprachigen Raum stehen dem drei Punkte entgegen, die wir schwerer gewichten: keine fertige Anbindung an DATEV oder BMD, Oberfläche und Betreuung ausschließlich auf Englisch, und eine Datenschutzerklärung, die weltweite Verarbeitung nennt und weder Standardvertragsklauseln noch einen Auftragsverarbeitungsvertrag ausweist. Wer die Rechnungsverarbeitung im Finanzsystem selbst behalten will, statt ein zweites Werkzeug davorzusetzen, schaut auf Sage Intacct. Bei wenigen hundert Rechnungen im Jahr lohnt das nicht.
Häufige Fragen
Von beidem, getrennt nach Ebene. Vic.ai beschreibt globale Modelle für die Rechnungskopfdaten, trainiert auf abgeleiteten, nicht personenbezogenen Daten mehrerer Kunden, und lokale Modelle für die Kontierung auf Positionsebene, die ausschließlich mit den Unterlagen des jeweiligen Kunden arbeiten und nicht geteilt werden (Anbieterangabe, Abruf 19.09.2026).
Bei Amazon, in der Region des Kunden. Vic.ai nennt AWS als Betreiber, Verschlüsselung mit AES-256, jährlich erneuerte Prüfberichte nach SOC 1 und SOC 2 Type II sowie ein Vorgehen nach ISO 27001. Die öffentliche Datenschutzerklärung spricht dagegen von weltweiter Verarbeitung und erwähnt weder Standardvertragsklauseln noch einen Auftragsverarbeitungsvertrag; europäische Betriebe klären beides im Vertrag (Anbieterangaben, Abruf 19.09.2026).
Das Angebot regelt sie, keine öffentliche Stufe. Vic.ai veröffentlicht keine Tarife und damit auch keine Deckel für Rechnungsmengen, Nutzerzahlen oder Anbindungen, alles steht im ausgehandelten Vertrag. Die Plattform zielt auf Finanzabteilungen mit hunderten Rechnungen im Monat; kleine Betriebe fallen durch dieses Raster (Abruf 19.09.2026).
Auf Antrag, geregelt im Kundenvertrag. Vic.ai beschreibt Aufbewahrung, Löschung und Export als Teil der Kundenvereinbarung und nennt keinen Knopf in der Oberfläche, der alles ausgibt. Weil die Buchungssätze laufend im ERP-System landen, liegt der Bestand ohnehin dort. Belegbilder und die Lernhistorie der Modelle gehören in die Austrittsvereinbarung (Abruf 19.09.2026).
Es bezahlt, seit VicPay dazugehört. Nach der Freigabe stößt die Plattform die Zahlung an den Lieferanten an und führt ein eigenes Lieferantenportal für Stammdaten und Rückfragen. VicCard ergänzt Firmenkarten samt Kartenumsätzen. Welche Zahlungswege in Europa zur Verfügung stehen, beschreiben die öffentlichen Seiten allerdings nicht (Abruf 19.09.2026).
Ja, die Plattform liegt über den Systemen. Vic.ai nennt fertige Verbinder unter anderem für Sage Intacct, Oracle NetSuite, Oracle Fusion, Workday, Microsoft Dynamics, Acumatica und SAP S/4HANA, dazu eine offene Schnittstelle für eigene Anbindungen. Konzerne mit zugekauften Töchtern und uneinheitlicher Systemlandschaft sind die eigentliche Zielgruppe (Abruf 19.09.2026).
Nein, Oberfläche und Betreuung laufen auf Englisch. Der Anbieter sitzt in den USA und richtet sich an nordamerikanische Finanzabteilungen, deutschsprachige Ansprechpersonen nennen die öffentlichen Seiten nicht. Für Teams in Österreich heißt das: Fachbegriffe der Buchhaltung kommen in englischer Fassung, Rückfragen laufen über eine andere Zeitzone (Abruf 19.09.2026).
Nein, es verschiebt die Arbeit. Erfassung und ein großer Teil der Kontierung fallen weg, dafür wächst der Anteil an Prüfung, Ausnahmen und Auswertung. Der Anbieter gibt einen berührungsfrei verarbeiteten Anteil von 85 Prozent nach sechs Monaten an; die übrigen Fälle landen weiterhin auf dem Schreibtisch (Anbieterangabe, Abruf 19.09.2026).
Das hängt am Volumen und am ERP-System. Betriebe im deutschsprachigen Raum, die Eingangsrechnungen vor allem einsammeln und an die Buchhaltung weiterreichen wollen, fahren mit GetMyInvoices eine Nummer kleiner. Wer Rechnungen vor allem ablegen und wiederfinden muss, schaut auf inPoint DMS. Im selben Umfeld steht Sage Intacct, das Vic.ai zugleich als Zielsystem anbindet.






