
Wer sich für Drupal entscheidet, betreibt es selbst. Die Software liegt auf dem eigenen Server, kein Anbieter schaltet ein Konto frei. Seit Drupal CMS 2.0 (28.01.2026) liefert das Projekt eine fertig geschnürte Fassung mit Website-Vorlagen, visuellem Seitenbau über Drupal Canvas und KI-Funktionen ab Werk. Gerechnet wird die KI nicht im Haus des Projekts: Anfragen gehen an angebundene Dienste, von OpenAI und Anthropic über amazee bis zu einem Ollama-Server im eigenen Netz. Gedacht ist das für Häuser mit vielen Inhaltstypen, mehreren Sprachen und fein gestuften Rechten, die eigene Entwicklung oder eine Agentur im Rücken haben.
Vor- und Nachteile
Vorteile
- Kein Lizenzpreis, auch im gewerblichen Einsatz
- KI-Anbieter frei wählbar, bis zum eigenen Server im Haus
- Rechte und Freigaben bis auf einzelne Felder
Nachteile
- Hosting, Aktualisierung und Sicherung bleiben beim Betreiber
- Ohne Entwicklungskapazität oder Agentur kaum zu führen
- Drupal 10 endet am 09.12.2026, Drupal 12 kommt im selben Monat
Funktionen
- Inhaltsmodell mit Feldern: Jeder Inhaltstyp bekommt eigene Felder und Bezüge. Das Modul Views baut daraus Listen und Übersichtsseiten, ohne dass jemand eine Abfrage schreibt.
- Drupal Canvas: Seiten entstehen im Browser per Ziehen und Ablegen. Für eigene Bausteine nennt die Projektseite einfaches JSX und CSS als Voraussetzung.
- Anbieterwechsel bei der KI: Das AI-Modul spricht rund 95 Dienste an, vom Auftragsdienst bis zum Ollama-Server im Haus. Ein Wechsel lässt die Module darüber unberührt.
- KI-Agenten: Agenten legen Inhaltstypen, Felder und Vokabulare nach einer Anweisung in Worten an. Drei bringt das Modul mit, weitere entstehen im Baukasten.
- AI Automators: Felder füllen sich selbst, ausgelöst durch Zeitsteuerung, Stapellauf oder die Redaktion. Typischer Fall: Alternativtext, Kurzfassung und Verschlagwortung.
- Semantische Suche: Das Modul AI Search legt Inhalte als Vektoren ab, etwa in Postgres, MariaDB, Pinecone oder Milvus. Gesucht wird nach Bedeutung statt nach Wortgleichheit.
- Rechte bis auf Feldebene: Rollen, Gruppen und Freigabeketten regeln, wer welches Feld sieht und wer veröffentlicht. Das greift auch im entkoppelten Aufbau.
- Eigenes Sicherheitsteam: Ein Team des Projekts prüft Kern und Module und veröffentlicht Hinweise. Einspielen muss sie der Betreiber selbst.
Setup
Sprache
Datenschutz
Unsere Bewertung
Produktivität
Drupal kann durch KI-Integrationen, automatisierte Editorial Workflows und ein sauberes Content-Modell redaktionelle Prozesse deutlich effizienter machen. Der Nutzen hängt jedoch stark von strukturierter Datenqualität, klaren Rollen/Rechten, Governance und einer fachgerecht konfigurierten Systemarchitektur ab.
Benutzerfreundlichkeit
Der Ruf als entwicklerlastiges System stammt aus einer Zeit, die vorbei ist. Drupal Canvas ist seit der Fassung 1.11.0 (08.09.2026) eine stabile, vom Sicherheitsteam betreute Erweiterung und baut Seiten im Browser, Drupal CMS 2.0 bringt seit dem 28.01.2026 fertige Website-Vorlagen und einen Chatbot mit, der Inhaltstypen und Felder anlegt. Für eigene Bausteine nennt die Projektseite weiterhin JSX und CSS, und Einrichtung, Hosting und Aktualisierung bleiben technische Arbeit. Deshalb 8 und nicht mehr.
Kundensupport
Da Drupal Open Source ist, gibt es keinen klassischen Herstellersupport. Stattdessen profitiert es von einer weltweiten Community, die aktiv Foren, Dokumentationen und Lösungen auf drupal.org beisteuert. Ergänzend stehen spezialisierte Agenturen für Support und individuelle Entwicklung zur Verfügung.
Einsatzbereiche
Große Inhaltsbestände: Drupal trennt Inhaltstypen, Felder und Darstellung voneinander. Behörden, Hochschulen und Konzerne bilden tausende Seiten in einer Struktur ab, ohne für jede Abteilung ein eigenes System zu starten. Freigabeketten regeln, wer prüft und wer veröffentlicht.
Mehrsprachige Auftritte: Inhalte, Menüs, Feldbezeichnungen und Systemmeldungen laufen über getrennte Übersetzungsebenen. Ein Konzern pflegt Länderfassungen nebeneinander statt in geklonten Seiten. Die KI-Module schlagen Übersetzungen vor, die Redaktion gibt frei.
Redaktionelle Zuarbeit: Der Chatbot in der Verwaltung legt Inhaltstypen, Felder und Schlagwortlisten nach einer Anweisung in Worten an. Alternativtexte für Bilder entstehen selbsttätig, die Medienablage sortiert sich mit. Über den Text entscheidet weiter ein Mensch.
Portale mit Anmeldung: Mitglieder, Partner und Kunden erhalten eigene Bereiche. Rollen, Gruppen und Feldrechte greifen bis auf das einzelne Feld hinunter. Intranets laufen auf derselben Grundlage.
Entkoppelter Betrieb: Über JSON:API liefert Drupal Inhalte an Anwendungen, Bildschirme oder eine eigene Ausgabeschicht. Die Redaktion bleibt in der gewohnten Verwaltungsoberfläche. Diese Bauart verlangt Entwicklungsarbeit.
Screenshots




Preis
Drupal stellt keine Rechnung. Der Code steht unter einer freien Lizenz, Tarifstufen und Platzpreise gibt es nicht. Bezahlt wird an drei anderen Stellen, und der größte Posten steht in keiner Preisliste.
Die Kostenblöcke
- Lizenz: 0 Euro. Kern, Module und Themes liegen unter der GPL, auch im gewerblichen Einsatz.
- Geteiltes Hosting: in Österreich führt World4You einen eigenen Drupal-Tarif, regulär 7 Euro im Monat für 150 GB und 12 Euro für 300 GB, brutto. Mittwald staffelt nach Besucherzahl, etwa 3 Euro bei 1.000 und 60 Euro bei 50.000 Besuchern, netto, und steht im Partnerverzeichnis des Projekts als Drupal-Hoster (Mittwald, CMS-Projekt).
- Plattformen für Drupal: Upsun rechnet 9 Euro je Projekt und 10 Euro je Nutzer im Monat plus Rechenzeit nach Stunden (Preisseite). Acquia teilt seine Drupal-Cloud in die vier Stufen Standard, Plus, Premium und Elite, nennt dazu aber weiterhin keine Beträge (Tarifübersicht).
- KI-Dienst: nach Verbrauch beim angebundenen Anbieter. amazee.ai gibt 30 Tage ohne Karte, OpenAI und Anthropic verlangen ein eigenes Konto.
- Entwicklung und Wartung: der eigentliche Posten. Sicherheitshinweise kommen laufend, Drupal 10 endet am 09.12.2026.
Wer rechnet, rechnet in Tagessätzen, nicht in Monatsbeträgen: Ein Betrieb ohne eigene Entwicklung zahlt die Lizenzersparnis an der Agentur wieder ein. Ein Ollama-Server im Haus hält dafür die KI-Kosten bei null (Beträge abgerufen am 19.09.2026).
Unser Fazit
Der landläufige Ruf, Drupal sei etwas für Entwickler und sonst niemanden, stimmt so nicht mehr. Drupal Canvas steht seit dem 08.09.2026 in der stabilen Fassung 1.11.0, Drupal CMS 2.0 liefert seit dem 28.01.2026 fertige Website-Vorlagen und einen Chatbot, der Inhaltstypen und Felder anlegt. In unserer Wertung steigt die Bedienbarkeit damit auf 8. Bezahlt wird trotzdem, nur nicht an eine Lizenzstelle. Den größten Posten führt keine Preisliste: Hosting, Aktualisierung, Sicherung und vor allem Entwicklungstage. Ein Betrieb ohne Agentur oder eigene Entwicklung zahlt die Lizenzersparnis genau dort wieder ein. Selten ist die Freiheit bei der KI, denn die Anfragen gehen an den Dienst, den das Haus selbst bestimmt, bis hin zu einem Ollama-Server im eigenen Netz. Im deutschsprachigen Agenturmarkt steht TYPO3 daneben und wird nach denselben Maßstäben gekauft. Für Drupal 10 endet die Unterstützung am 09.12.2026, ein Sprung ist also ohnehin fällig.
Häufige Fragen
Das entscheidet der gewählte Anbieter, nicht Drupal. Das AI-Modul reicht Anfragen nur weiter, die Trainingsbedingungen gelten beim jeweiligen Dienst. Wer das ausschließen will, hängt über das Modul AI Provider Ollama ein eigenes Modell an, dann verlässt kein Inhalt den eigenen Server. amazee.ai wirbt für seinen Zugang mit Zero Data Retention (Anbieterangabe, 19.09.2026).
Nicht mit Drupal, sondern mit dem Hoster. Die Drupal Association verkauft keine Betriebsleistung, deshalb schließt der Betreiber den Vertrag mit dem Rechenzentrum und getrennt davon mit dem KI-Dienst. Der Serverstandort hängt damit an der eigenen Wahl. Der in Drupal CMS voreingestellte KI-Zugang von amazee nennt Deutschland, die Schweiz und die EU als Regionen (Anbieterangabe, 19.09.2026).
Keine, die Drupal selbst setzt. Es gibt keine Tarifstufe, keine Nutzerzahl und kein Kontingent an Seiten oder Abrufen. Die Grenze zieht die Maschine: Rechenzeit, Arbeitsspeicher und Datenbank des Hosters. Wer die Vektorsuche betreibt, braucht zusätzlich eine passende Datenbank.
Die Daten liegen ohnehin im eigenen Haus. Datenbank und Dateiverzeichnis gehören dem Betreiber, ein Export ist technisch eine Sicherung. Der Umzug auf ein anderes System verlangt trotzdem Arbeit, weil Inhaltstypen und Felder frei modelliert sind und kein Fremdsystem sie in dieser Form kennt.
Leichter als früher, aber terminiert. Drupal 10 endet am 09.12.2026, Drupal 12 erscheint in derselben Woche (Zeitplan des Projekts, abgerufen am 19.09.2026). Seit Drupal 8 laufen die Sprünge ohne Neuaufbau, sofern jedes eingesetzte Modul nachgezogen hat. Genau daran hängt der Aufwand.
Seiten zusammensetzen, mehr nicht. Das Modul erreichte am 08.09.2026 die Fassung 1.11.0 und steht unter der Obhut des Sicherheitsteams. Als Voraussetzung für eigene Bausteine nennt die Projektseite einfaches JSX und CSS. Fertige Bausteine ordnet die Redaktion im Browser selbst an.
Vier, ab Werk. Die Fassung erschien am 28.01.2026 und bringt einen Chatbot für die Verwaltung, eine Übersicht der eingerichteten KI-Anbieter, selbsttätige Alternativtexte für Bilder und eine KI-gestützte Medienablage. Ohne Zugang zu einem KI-Dienst bleibt alles davon stumm.
Über Schnittstellen, nicht über einen Schalter. Der Kern liefert JSON:API mit, Module ergänzen Anbindungen an geläufige Systeme. Der Aufwand hängt am Gegenüber: Eine saubere Schnittstelle kostet Tage, ein gewachsenes Altsystem Wochen. Ohne Entwicklungsleistung geht keine der beiden Varianten.




