„Das hat die KI gemacht, also haftet sie auch dafür“. Diese Annahme ist so gängig wie falsch. Wer im beruflichen Alltag auf KI-Anwendungen setzt, sollte sich auch über mögliche rechtliche Folgen Gedanken machen.
Kurz erklärt
KI erleichtert viele Aufgaben und löst sie oft schneller und zuverlässiger als Menschen. Doch KI-Anwendungen machen Fehler – und hier ist die Regel einfach: Der Benutzer haftet, nicht das Werkzeug. So wie niemand dem Hammer die Schuld gibt, wenn dieser einem in die Hand rutscht.
Das bedeutet konkret: Wer KI einsetzt, bleibt für die Ergebnisse verantwortlich. Unternehmen sollten daher klare Verantwortlichkeiten und Handlungsanweisungen definieren.
Eine KI hat keine Rechtspersönlichkeit
Stefan Humer, Rechtsanwalt bei MOFIDIAN + HUMER

Wann Haftungsrisiken entstehen
„KI-Antworten wirken oft sehr selbstbewusst“, erklärt Stefan Humer, Rechtsanwalt bei MOFIDIAN + HUMER mit Spezialisierung auf digitales Recht. Das Problem: KI-Systeme halluzinieren. Sie erfinden Antworten, wenn ihnen nichts Sinnvolles einfällt.
Konkret wird es damit: Ein Mitarbeiter lässt sich von einer KI beim Erstellen eines Berichts für einen Kunden unterstützen. Unbemerkt übernimmt die KI fehlerhafte Informationen in das Ergebnis. Wer diesen Bericht an den Kunden weiterleitet, haftet für den Schaden – nicht die KI-Anwendung. Denn: „Eine KI hat keine Rechtspersönlichkeit“, so Humer. Sie kann nicht haftbar gemacht werden. Der Nutzer kann es.
Dieses Risiko besteht überall: bei Beratungsleistungen, in der Medizin, in der Planung oder in anderen Dienstleistungen.
Besondere Risikobereiche
Das Prinzip gilt auch für automatisierte Kundenkommunikation oder Marketing-Texte. Fehlerhafte automatisierte Antworten im Support oder falsche Produktinformationen können teuer werden. Der Grundsatz bleibt: Wer ein Tool einsetzt, trägt die Verantwortung.
Ein weiteres Risiko liegt intern: Wenn Mitarbeiter sensible Daten – Kundendaten, Firmengeheimnisse – in KI-Tools einspeisen, entsteht ein Haftungsrisiko für das Unternehmen. Denn oft unklar bleibt, was mit diesen Informationen geschieht, wo sie gespeichert werden und wie sie verarbeitet werden.
Was Unternehmen tun können
Humer empfiehlt, den Umgang mit KI-Tools verbindlich zu regeln: durch interne Guidelines oder Policies. Zusätzlich sollten Mitarbeiter verstehen, welche Risiken entstehen können.
Zentral ist ein Human-in-the-Loop-Ansatz (HITL): Jedes Ergebnis einer KI-Anwendung wird von einem Menschen überprüft, bevor es weitergegeben wird. Das minimiert Fehler und stellt sicher, dass Qualitätsstandards eingehalten werden.
Verbreitete Fehlannahmen
Die KI trägt die Verantwortung. Zwar diskutieren Juristen derzeit intensiv über KI-Haftung. Nach heutiger Rechtslage können KI-Systeme aber nicht haftbar gemacht werden. Sie sind – so kraftvoll sie auch wirken – letztlich nur ein Werkzeug ohne Rechtspersönlichkeit.
Gute Tools sind sichere Tools. Hochwertige Anwendungen liefern hervorragende Ergebnisse. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es aber nicht. Auch die besten Systeme können fehlerhaft sein. Der Nutzer bleibt verantwortlich. Deshalb: Human in the Loop.
Automatisierung senkt das Risiko. Maschinen machen in vielen Fällen tatsächlich weniger Fehler als Menschen. Das hängt aber vom konkreten Einsatz ab. Ein Restrisiko bleibt immer, und die Letztverantwortung liegt immer beim Menschen.
Verantwortung statt Technologie
KI bringt für Unternehmen echte Vorteile: mehr Effizienz, weniger Fehler in vielen Bereichen. Doch eines ändert sich dadurch nicht: Der Einsatz von KI entbindet nicht von Verantwortung.
KI darf keine Ausrede sein. Wer ein KI-System nutzt, muss die Ergebnisse überprüfen, bevor die Leistung oder das Produkt beim Kunden landet. In Fragen der Haftung entscheidend ist nicht die Technologie, sondern wie man sie nutzt.
Wie hoch ist dein Haftungsrisiko beim KI-Einsatz?
Zum Mitnehmen: Wo Haftung entsteht, was ein Kontrollschritt konkret heißt und wer wofür haftet. Als PDF herunterladen oder als Bild speichern.








